Schutzgebiet Flugplatz Bremgarten

Flugplatz Bremgarten  (159,7 Hektar): Letztes größeres zusammenhängendes Wiesengebiet auf dem ehemaligen Nato-Flugplatz in der Oberrheinniederung. Durch natürliche Sukzession in einer aufgelassenen Kiesgrube entstandener Lebensraum mit einem Mosaik unterschiedlicher Biotoptypen wie Magerrasen, Glatthaferwiesen, Gebüschkomplexe und Pionierstandorte auf weitgehend offene Kiesflächen.

Seit dem 07. Januar 1999 ist der Flugplatz Bremgarten Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet. Dies ist dokumentiert in der Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet »Flugplatz Bremgarten« vom 7. Januar 1999 (GBl. v. 17.02.1999, S. 77)“.

Auf Grund der § § 2 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI, S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Hartheim, Eschbach sowie der Städte Heitersheim und Neuenburg, Landkreis Breisgau‑Hochschwarzwald, werden zum Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung »Flugplatz Bremgarten«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 267 ha. Davon entfallen rund 158 ha auf das Naturschutzgebiet und rund 109 ha auf das Landschaftsschutzgebiet.

 (2) Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei Teilgebieten.

Teilgebiet I umfasst wesentliche Teile der nordwestlich der Parallelrollbahn des Flugplatzes Bremgarten gelegenen Wiesenflächen einschließlich der Start‑ und Landebahn, der Parallelrollbahn und der zur Start‑ und Landebahn führenden Verbindungswege. Die Abgrenzung verläuft im Wesentlichen im Nordosten, Norden und Osten am Außenrand des dortigen Teils der Start‑ und Landebahn, des nördlichen Verbindungsweges und der Parallelrollbahn, im Südwesten entlang des Geh‑ und Radweges der K 4998 und im Nordwesten entlang der Waldränder der beiden militärisch genutzten Wäldchen sowie der sog. »Ringstraße«.

Teilgebiet Il umfasst die im Süden des Gewerbeparks Breisgau gelegene ehemalige Kiesgrube. Die Abgrenzung verläuft im Wesentlichen in rund 40 m Abstand zur Max‑Immelmann‑Allee, entlang des oberen östlichen Randes der Kiesgrube und im Süden am Böschungsfuß der K 4998.

Das Landschaftsschutzgebiet umfasst die Wiesenflächen östlich der Parallelrollbahn des Flugplatzes bis zur ehemaligen Erschließungsstraße entlang des Flugfeldes, weitere landwirtschaftlich genutzte Flächen im Norden und Nordwesten des Flugplatzes sowie das nördliche Wäldchen. Es schließt im Norden, Osten und Südosten unmittelbar an das Naturschutzgebiet an und wird im Übrigen begrenzt von der sog. »Ringstraße« im Nordosten des Flugplatzes, der ehemaligen Erschließungsstraße entlang des Flugfeldes am Rande des Gewerbeparks und dem Geh‑ und Radweg der K 4998 im Südwesten.

 (3) Die Grenzen des Natur‑ und Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 sowie in zwei Detailkarten im Maßstab 1:5000 bzw. 1:2500 dargestellt. Das Naturschutzgebiet ist rot hinterlegt, das Landschaftsschutzgebiet ist grün hinterlegt. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung.

Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Naturschutzgebiets ist

  • die Erhaltung und Entwicklung des letzten größeren zusammenhängenden Wiesengebietes in der Oberrheinebene südlich des Kaiserstuhls mit Vorkommen von Magerrasen, Glatthaferwiesen, Pionierrasen und weitgehend offenen Kiesflächen als Lebensraum zahlreicher seltener, z. T. stark gefährdeter oder streng geschützter Tier‑ und Pflanzenarten,
  • die Erhaltung eines, durch natürliche Sukzession in einer aufgelassenen Kiesgrube entstandenen Lebensraumes mit einem Mosaik unterschiedlicher Biotoptypen mit Vorkommen zahlreicher seltener und gefährdeter Tier‑ und Pflanzenarten,
  • die Beibehaltung bzw. Entwicklung einer extensiven Nutzung des Grünlandes als Voraussetzung für den Schutz der darauf angewiesenen Wiesenbrüter‑ und Insekten‑Lebensgemeinschaften.

Der Flugplatz Bremgarten ist das letzte größere zusammenhängende Wiesengebiet auf dem ehemaligem Nato-Flugplatz in der Oberrheinniederung. Durch natürliche Sukzession in einer aufgelassenen Kiesgrube entstandener Lebensraum mit einem Mosaik unterschiedlicher Biotoptypen wie Magerrasen, Glatthaferwiesen, Gebüschkomplexe und Pionierstandorte auf weitgehend offene Kiesflächen.

Bereits 1992 wurden im Auftrag der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg Studien zur Vegetation, zu Kurzschwänziger Bläuling Tagfaltern, Heuschrecken und zur Vogelwelt durchgeführt, um die Bedeutung der Wiesenflächen im Bereich der Start- und Landebahn zu ermitteln.[1]

Die untersuchten Wiesen enthielten über 270 Pflanzenarten, von denen sich 18 auf der Roten Liste befanden. Dazu gehörten Flügelginster Gewöhnlicher Flügelginster, Eselsdistel und Arznei-Thymian. Von den 21 gefundenen Heuschrecken-Arten, befanden sich folgende sieben Arten auf der Roten Liste: Grüne Strandschrecke, Europäische Gottesanbeterin, Blauflügelige Sandschrecke, Weinhähnchen, Blauflügelige Ödlandschrecke, Westliche Beißschrecke und Wiesengrashüpfer. 1993 wurden zudem einige Exemplare der Braunfleckigen Beißschrecke in der Europäische GottesanbeterinFlugplatzumgebung gefangen. Auslöser dieser Suche waren Sichtungen der in Deutschland ausgestorben geglaubten Art auf dem Truppenübungsplatz Müllheim und dem Flugplatz Freiburg.[1]

Fünf der 44 entdeckten Tagfalter-Arten gehörten zum Schutzprogramm von Baden-Württemberg für Schmetterlins-SchutzgebieteBlauäugiger Waldportier Diese waren Blaukernauge, Weißer Waldportier, Kleiner Perlmutterfalter, Kurzschwänziger Bläuling und Malven-Dickkopffalter.[1]

Bei den Vögeln wurden 90 Arten gesichtet, von denen sich 41 auf der Roten Liste von Baden-Württemberg befanden. Darunter war der Große Brachvogel, für den der Flugplatz der einzige Brutplatz im Markgräflerland war. Daneben wurden auch Wachtel, Feldlerche, Nachtigall, Schwarzkehlchen, Orpheusspötter, Saatkrähe, Grauammer und Braunkehlchen registriert. Für letztere, in Großer BrachvogelBaden-Württemberg stark gefährdete Art war der Flugplatz der einzige bekannte Brutplatz in der rechtsrheinischen südlichen Oberrheinebene.[1]

Im Frühjahr 1994 wurde bekannt, dass Start-, Lande- und Rollbahnen an Daimler-Benz verpachtet und bereits für Testfahrten von Nutzfahrzeugen genutzt wurden und weiterhin werden sollten. Daraufhin stellten die Naturschutzverbände am 4. März 1994 für das gesamte westliche Teilgebiet und die Kiesgrube einen Antrag auf Ausweisung als Naturschutzgebiet.[1]

Anfang 1999 wurden mehrere Flächen im Bereich des Flughafens zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Neben den Gemarkungen von Bremgarten-Hartheim und Eschbach waren hiervon auch die beiden Städte Heitersheim und Neuenburg Braunkehlchenbetroffen. Diese insgesamt 276 Hektar teilen sich auf in rund 109 Hektar für das Landschaftsschutzgebiet sowie 158 Hektar für das Naturschutzgebiet.[2]

Naturschutzgebiet

Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei Teilgebieten: Eines umfasst wesentliche Teile der Wiesenflächen nordwestlich der Parallelrollbahn einschließlich der Start- und Landebahn, der Parallelrollbahn und der zur Start- und Landebahn führenden Verbindungswege (Nordosten, Norden und Osten) bis hin zur Kreisstraße 4998 (im Südwesten), den Waldrändern der beiden militärisch genutzten Wäldchen sowie der »Ringstraße« (Nordwesten).

Das zweite Teilgebiet wird von der ehemaligen Kiesgrube gebildet, die sich im Süden des Gewerbeparks Breisgau befindet. Ihre Grenzen befinden sich in rund 40 m Abstand zur Max‑Immelmann‑Allee, entlang des oberen östlichen Randes der Kiesgrube sowie am Böschungsfuß der K 4998 (Süden).

Bodennest der RotdrosselDas Naturschutzgebiet dient der Erhaltung und Entwicklung des letzten größeren zusammenhängenden Wiesengebietes in der Oberrheinebene südlich des Kaiserstuhls mit Vorkommen von Magerrasen, Glatthaferwiesen, Pionierrasen und weitgehend offenen Kiesflächen als Lebensraum zahlreicher seltener, teilweise stark gefährdeter oder streng geschützter Tier- und Pflanzenarten. Zudem soll der Lebensraum erhalten werden, der durch die natürliche Sukzession (Unter Sukzession (lateinisch succedere „nachrücken“, „nachfolgen“) versteht man in der Ökologie und Botanik die (auf natürlichen Faktoren beruhende) zeitliche Abfolge von Pflanzen-, Tier- oder Pilzgesellschaften (Biozönose) an einem Standort.) in der aufgelassenen Kiesgrube entstanden ist und in dem zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Wiesenbrüter- und Insekten‑Lebensgemeinschaften sollten zudem durch extensive Nutzung des Grünlandes geschützt werden.[2]

Landschaftsschutzgebiet

Das Landschaftsschutzgebiet schließt sich im Norden, Osten und Südosten unmittelbar an das Naturschutzgebiet an und wird von der »Ringstraße« im Nordosten des Flugplatzes begrenzt sowie von der ehemaligen Erschließungsstraße entlang des Flugfeldes am Rande des Gewerbeparks und dem Geh- und Radweg der K 4998 im Südwesten. Es besteht aus den Wiesenflächen östlich der Parallelrollbahn entlang des Flugfeldes und weitere landwirtschaftlich genutzte Flächen im Norden und Nordwesten des Flugplatzes sowie das nördliche Wäldchen.

Es steht in enger Verbindung mit den im Naturschutzgebiet beheimateten Tierarten und soll landwirtschaftlich genutzte Flächen erhalten, die von ihnen zur Nahrungssuche genutzt werden. Ebenso soll das Wäldchen erhalten werden, das einigen ihnen als Teillebensraum dient. Generell dient das Landschaftsschutzgebiet der Sicherung des Naturschutzgebietes und soll seine Verwirklichung ermöglichen.

Im Landschaftsschutzgebiet selbst nutzen einige Wiesenvogelarten die landwirtschaftlich genutzten Flächen als Brutplatz. Das Wäldchen soll zudem für wald- und waldrandbewohnende Tier- und Pflanzenarten erhalten werden.

Erlaubt sind im Landschaftsschutzgebiet unter bestimmten Auflagen die ordnungsgemäße landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Bodennutzung sowie die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd. [2]

Nachwort

Leider ist vielen Menschen noch nicht bewusst, was für ein Schatz der Natur vor unserer Haustüre liegt. Er ist sehr sensibel und sollte bewahrt werden. Einige sind der Meinung, dass es sich um eine Art Mülldeponie handelt. Seit über 10 Jahren nehmen in Deutschland Recyclinghöfe alles Müllan Elektronikschrott kostenlos zurück. Niemand muss Fernseher heimlich im Wald am Flugplatz entsorgen! Wenn jemand das Gerät bis hierher in die Natur schleppen kann, kann er es genauso zu einer Annahmestelle schleppen!

Andere Menschen verbreiten ihre Meinung mit einem sogenannten "Positionspapier":

Zitat: "Der Verzicht auf die sog. „Flugaffinität“ des Gewerbeparks schafft Raum für weitere Expansion und die Eröffnung zusätzlicher wirtschaftlicher Potenziale für die Region. Angesichts des Flächenverbrauchs durch die Landebahnen und die damit verbundenen Verkehrsflächen sowie der Unterbringung der Luftfahrtgeräte und sog. flugaffiner Firmen werden die wenigen „flugaffinen Arbeitsplätze“ mit einem unverhältnismäßig hohen Flächenverbrauch bezahlt. Hier wird Potenzial für Arbeitsplatzangebot und Gewerbesteuereinkommen massiv verschenkt, zum wirtschaftlichen Nachteil der am Zweckverband beteiligten Kommunen. Durch Beenden des Flugbetriebs und die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen durch Bebauung bis an den westlichen Rand der Asphaltlandebahn ließe sich dieses Potenzial realisieren." [3]

Ein Naturschutzgebiet soll der Bebauung geopfert werden!? Eine solche Position sollte überdacht werden.

Einzelnachweise

[1] Franz Schneider: Wertvolle Wiesen im ehemaligen Flugplatz „Bremgarten“ müssen Naturschutzgebiet werden In: Naturschutz am südlichen Oberrhein. 1/1995, ISSN0949-5355

[2] 250 Flugplatz Bremgarten, lubw.baden-wuerttemberg.de, 7. Januar 1999, abgerufen am 14. August 2013.

[3] AFLIG-Positionspapier

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